Künstliche Intelligenz
Veröffentlicht: 18.02.2023
Anfang Dezember 2022 wurde meine “Timeline” von verschiedensten Seiten aus mit dem selben Thema geflutet: ChatGPT. Die ersten Erfahrungsberichte reichten von “faszinierend” bis “schockierend”. Also beschloss ich, mir das über die Weihnachtsfeiertage selber mal anzuschauen.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag - als das Essen schwer im Magen lag und bei den Kindern die erste Langeweile aufkam, meldete ich mich mal bei ChatGPT an und die Kinder gaben die erste Anweisung:
Schreibe eine fiktionale Geschichte mit ca 500 Wörtern über die beiden Katzen Lucky und Tiger
Das Ergebnis folgte prompt:
Lucky und Tiger waren zwei ganz besondere Katzen. Sie lebten in einem kleinen Haus in einer idyllischen Vorstadt und hatten das Glück, von einer liebevollen Familie umsorgt zu werden. Lucky war eine schlanke, graue Katze mit grünen Augen und Tiger eine kräftige, orangefarbene Katze mit braunen Augen. Obwohl sie von verschiedenen Katzenmüttern stammten und sich erst spät kennengelernt hatten, waren sie die besten Freunde geworden.
Eines Tages beschlossen Lucky und Tiger, auf große Abenteuerreise zu gehen. Sie packten ihre kleinen Rucksäcke, die sie sich selbst genäht hatten, voller Leckerlis und Spielzeug und machten sich auf den Weg. Sie liefen durch Wälder und über Wiesen, überquerten Flüsse und kletterten Berge hinauf. Sie trafen allerlei interessante Tiere und erlebten so manche spannende Begegnung.
Doch auf ihrer Reise lernten sie auch, dass das Leben nicht immer einfach ist. Sie mussten Stürmen trotzen und sich vor gefährlichen Tieren in Acht nehmen. Doch Lucky und Tiger waren zwei tapfere Katzen und sie ließen sich von nichts aufhalten.
Schließlich erreichten sie das Meer, das sie schon immer einmal sehen wollten. Sie standen auf einem Kliff und blickten auf die endlose Wasserfläche hinaus. Sie fühlten sich frei und unbeschwert und beschlossen, am Strand entlangzulaufen und das Meer zu erkunden.
Sie liefen den ganzen Tag und als die Sonne unterging, machten sie sich auf den Rückweg. Sie waren müde und hungrig, aber auch stolz auf das, was sie erlebt hatten. Als sie schließlich wieder zu Hause ankamen, empfing sie ihre Familie mit offenen Armen. Sie hatten sich solche Sorgen gemacht und waren froh, dass Lucky und Tiger wieder da waren.
Von diesem Tag an waren Lucky und Tiger noch engere Freunde und sie waren sich sicher, dass sie noch viele weitere Abenteuer gemeinsam erleben würden.
Ja, nun geht’s hier im Blog aber um eher technische Themen als um Kindergeschichten. Aber jeder, der sich seit Karl Klammer mal mit Bots beschäftigt hat, dürfte bei solchen komplexen Antworten schlichtweg vom Stuhl fallen. Die Geschichte enthält keinerlei Fehler, hat einen gewissen Grad an Kreativität, die Story hat einen Handlungsbogen und beantwortet die Frage letztendlich vollständig korrekt.
Mein Interesse war geweckt. Ich ließ ChatGPT einen Prompt für einen Bildgenerator erzeugen, passte ihn geringfügig an, und schickte diesen in Midjourney ab:
Create a realistic image of two young, sporty gray black tabby cats as they run through a forest. They are both wearing backpacks and look happy and excited. In the background, you should see trees and lots of green.
Das Ergebnis war eine 2x2-Auswahl an Vorschlägen, einen davon ließ ich dann in voller Größe erzeugen. Uff…
Das Bild könnte man unverändert zur Illustration eines Kinderbuchs verwenden. Ich war also erstmal “geflashed” und verbrachte einen ganzen Tag mit Midjourney - hier eine kleine Auswahl der ersten Experimente:
Die Bilder sind beeindruckend - aber wie kreativ sind die wirklich? Die aktuelle Form der Bildgeneratoren basiert auf dem Training mit hunderten Millionen von Bildern. Und genau das ist auch das Problem, wie ein recht prominenter “Fail” zeigt. Das nachfolgende Bild wurde vermutlich mit Stable Diffusion erzeugt - die Eingabe war angeblich “Lachs, der im Fluß schwimmt” (Salmon in the river):
Diese Art von Generatoren antwortet mit dem statistisch am wahrscheinlichsten Ergebnis. Behauptungen, diese KI “kenne” keinen normalen Lachs (bzw. nicht nur in Form von Lebensmitteln) sind vermutlich falsch - bei einer spezifischeren Eingabe wäre wohl auch ein anderes Ergebnis herausgekommen.
Sind aktuelle KIs “dumm”?
Wenden wir uns dazu wieder ChatGPT zu. Ich überlegte, ob ChatGPT vielleicht eine “naive” Lösung für das Travelling-Salesman-Problem hat. Ich bat um die kürzeste Reisestrecke durch die größten Städte Deutschlands, die mit dem Buchstaben “B” beginnen (bewusst so, um keine “gecachten” Ergebnisse zu erhalten):
Die 15 größten Städte Deutschlands, die mit “B” beginnen, sind: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Bremen, Leipzig, Dresden, Hannover, Nürnberg und Duisburg.
Um die kürzeste Reisestrecke für eine Reise durch diese Städte zu ermitteln, wäre es sinnvoll, einen Routenplaner zu verwenden, der die Entfernungen und die besten Routen zwischen den einzelnen Städten berechnet.
[…]
Hmm naja… :)
Lässt man dann aber erst mal eine Liste der Städte Deutschland erzeugen, die mit “B” beginnen, und anschließend diese nach Anzahl der Einwohner sortieren, bekommt man schon ein brauchbareres Ergebnis - die vorgschlagene Reiseroute ist aber dennoch absurd.
An diesem Beispiel lässt sich wunderbar erkennen, wie diese “KIs” intern arbeiten und dass diese nach wie vor auf Training angewiesen sind. Das Training durch Menschen wird dabei sogar besonders hoch bewertet, so konnte man bis vor Kurzem noch sagen “5 + 5 = 11”, und die KI glaubte das anschließend.
Spezielle, Allgemeine und Super-Intelligenz
Es gibt vereinfacht gesagt drei Formen von Intelligenz:
- spezialisierte Intelligenz: diese kann nur eine ganz bestimmte Sache, die aber ziemlich gut (z.B. Routenplaner, Spracherkennung, Übersetzung, etc.)
- generische Intelligenz: der “Allrounder” - kann alles, und das auch sehr gut (z.B. das menschliche Gehirn)
- Superintelligenz: kann nicht nur alles, sondern hat praktisch unbegrenzte Ressourcen und entwickelt sich ständig weiter
Bereits 2015 ist ein absolut lesenswerter Artikel erschienen, der das im Detail erklärt und auch “Nicht-Technikern” veranschaulicht: The AI Revolution: The Road to Superintelligence (unbedingt lesen!!!)
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